Ganz im Gegensatz zu den Vorjahren kam es immer wieder zu den typischen Kaltluftvorstößen im Frühling, wodurch sich diesmal wieder lehrbuchhaftes Aprilwetter einstellen konnte. Auch die Eisheiligen zu Pfingsten bescherten einen Kaltluftrückfall, so dass Pfingsten sogar kälter als das jedoch extrem warme Weihnachtsfest 2015 wurde.

Erstmals seit dem Frühling 2013 ist wieder eine Jahreszeit zu kühl ausgefallen, was angesichts der Erwärmungsphase, in der wir seit Ende der 1980er Jahre stecken, schon bemerkenswert ist.
Das Frühjahr markiert damit eine Trendwende nach der viel zu warmen Periode der letzten fast drei Jahre, besonders aber nach dem extrem milden Winter. März und April fielen kühler aus als üblich und der Mai erreichte die Norm.
Genauso wie im letzten zu kühlen Frühling im Jahre 2013, gab es diesmal auch nur einen einzigen Sommertag, als es am 7. Mai mit 25 Grad sehr warm wurde.

Der Frühling zeigte sich sehr regenreich mit einer Niederschlagssumme von 255 Liter auf den Quadratmeter, was ein Überschuss von 30 Prozent bedeutet. Hauptverantwortlich war der sehr nasse Mai mit 102 Liter/qm, aber auch März und April fielen feuchter als normal aus.

Die Sonne hatte auch im Frühling einen schweren Stand, so dass sich mittlerweile ein eklatanter Sonnenschein-Mangel wie ein roter Faden durch alle Monate des Jahres zieht, was natürlich gerade im Frühjahr deutlich spürbar wurde, zumal wir in den Vorjahren im März und April von der Sonne oft  verwöhnt worden sind. Hinter dem Minus-Rekord aus dem Frühling 2013 mit 335 Stunden, erlebten wir diesmal mit einer Sonnenscheindauer von 365 Stunden das zweittrübste Frühjahr der Messreihe, was einem beachtliches Defizit von 27 Prozent zum langjährigen Mittel entspricht.

Insgesamt herrschte ein launischer Wettercharakter im Frühling, längere Schönwetterperioden fielen aus, stattdessen traten nur kurze Gastspiele mit Frühlingswetter auf, was sich auch an der Anzahl der heiteren Tage bemerkbar machte, denn mit 14 heiteren Tagen traten 12 weniger als üblich auf – zum Vergleich: In den beiden extrem milden, frühsommerlichen Frühjahre 2007 und 2011 gab es jeweils 43 und 49 heitere Tage!

Der März startete unter Tiefdruckeinfluss nass-kalt, am Abend des 2. März kam es zu einem kräftigen Gewitter mit Hagel und Schneefall. Am nächsten Morgen lag nach starkem Schneefall eine 3 Zentimeter hohe Schneedecke. Auch an den Folgetagen mischten sich bei Höchstwerten um 3 Grad immer wieder Schneeflocken unter den Regen.
Ein eng begrenztes, nahezu stationäres Starkschneefallgebiet hielt sich am 7. März stundenlang über dem südlichen und südöstlichen Saarland. Im Raum Saarbrücken bis hinüber nach St. Ingbert und Homburg sorgte ergiebiger Schneefall für ein großes Schneechaos. In Saarbrücken am Flughafen Ensheim (320 m) betrug die Schneehöhe beachtliche 20 Zentimeter – auch der Autor des Berichts staunte im normalerweise nicht gerade schneefallreichen Tiefland (direkt an der Saar) in Saarbrücken-Güdingen während der Arbeit über das Wintermärchen im Spätwinter und maß auf seinem Autodach 15 Zentimeter Schnee!
Der andere Teil des Saarlandes bekam von diesem für den März seltenen Wintereinbruch überhaupt nichts mit, auch meiner Wetterstation Eiweiler blieb es grün.
Nach dem Märzwinter übernahm ab der zweiten Dekade das stabile Hoch JOACHIM über Skandinavien die Regie und lenkte trocken-kalte Festlandsluft aus Nordosten zu uns. Nachts herrschte leichter Frost und tagsüber schien zeitweise die Sonne bei einstelligen Temperaturen, zeitweise wehte ein böiger und kalter Nordostwind. Erst am 18. März wurde es frühlingshaft mild mit Höchstwerten um 15 Grad.
Gegen Monatsende wurde es wechselhafter und Tiefausläufer brachten Regen und Wind – am 28. März sorgte Tief JEANNE für stürmische Böen.

Der April machte diesmal, ganz im Gegensatz zu den Vorjahren, seinem Ruf als launischer und wechselhafter Monat alle Ehre. Es gab typisches Aprilwetter mit einem ständigen Auf und Ab zwischen Regen und Aufheiterungen. Ein kurzes Frühlings-Intermezzo bescherte uns Hoch NORBERT zwischen dem 18. und 22. April mit viel Sonnenschein und Erwärmung bis 20,6 Grad. Ab dem 23. April sorgte ein markanter Kaltluftvorstoß für einen kräftigen Temperatursturz.
Ein umfangreicher Höhentrog, angefüllt mit Polarluft aus dem hohen Norden, brachte in der letzten Aprilwoche einen jähen Absturz des Frühlings mit Regen, Gewitter und Graupel bei Höchstwerten um 6 Grad, wobei Nachtfrost bis minus zwei Grad auftrat. Das Frühlingserwachen in der Natur kam zu dieser Zeit ins Stocken und örtlich waren Frostschäden bei einigen Pflanzen zu beklagen – so auch bei unseren Bauernhortensien.

Der Start in den Mai fiel in der Hexennacht ins Wasser, tagsüber wurde es wieder freundlicher, blieb zunächst noch kühl. Ab dem 4. Mai konnten wir dank des über Mitteleuropa liegenden Hochs PETER die stabilste Schönwetterperiode des Frühlings genießen. Für knapp eine Woche herrschte ab Christi Himmelfahrt sonniges Wetter mit einem kräftigen Temperaturanstieg: Mit Höchstwerten bis 25 Grad wurde es frühsommerlich warm.
Bereits zu Beginn der zweiten Maidekade zeigte sich der Mai wieder sehr wechselhaft und die Temperaturen fuhren Achterbahn. Erneut mussten wir einen Kaltluftrückfall verkraften, denn pünktlich zum Pfingstwochenende schlugen die Eisheiligen mit Höchstwerten von 12 Grad zu.
Der unbeständige Wettercharakter setzte sich bis zum Monatsende fort, jedoch wurde es aber wärmer. An den letzten Maitagen nahm ab dem 27. Mai eine historische Unwetterlage über Deutschland ihren Anfang. Energiereiche, feucht-warme Mittelmeerluft ließ die Temperaturen bis 23 Grad steigen und sorgte für Gewitter und starke, teils sintflutartige Regengüsse. So stürzten am 28. Mai in Eiweiler bei einem Unwetter in einer halben Stunde 22 Liter Regen auf den Quadratmeter vom Himmel, weiterer ergiebiger Regen brachte am 30. Mai eine Tagesmenge von 25,7 Liter pro Quadratmeter.

So ging der Frühling, der sich über weite Strecken einen faulen Lenz gemacht hat, nass und ungemütlich zu Ende. Man hat fast den Eindruck, als wäre die Atmosphäre nach dem extrem milden Winter im Frühjahr auf Ausgleich eingestellt und hätte sich mit den häufigen Kaltluftrückschlägen für die lange, viel zu warme Witterung der Vormonate rächen wollen.

WETTERSTATION EIWEILER
Eiweiler, den 14. Juni 2016
Jörg Hoffmann