150 Jahre Biertradition aus Eiweiler

Von Karl Heinz Janson, Dilsburg
(erschienen im Köllertaler Boten Nr.31)

Mitte des 19.Jahrhunderts erlebte die Saarregion einen ungeheuren Aufschwung. Der Bau der Saarbrücker Eisenbahn von Bexbach über Saarbrücken nach Stiring-Wendel erlaubte es erstmals Steinkohle per Bahn sowohl zum Rhein als auch nach Frankreich zu exportieren. In dieser Boom Zeit wurden viele neue Unternehmen in der Saarregion gegründet, so auch von der Familie Bruch im Jahr 1860 die Brauerei und das Hofgut Grosswald bei der Gemeinde Eiweiler.

Die Familie Bruch besaß in Saarbrücken bereits eine Brauerei, die 1702 gegründete und heute noch existierende Bruch Brauerei. Nachdem seine erste Frau gestorben war, heiratete der damalige Brauereibesitzer Jakob Balthasar Bruch in zweiter Ehe Caroline  Bruch geb. Krämer. Er hatte mit ihr drei Söhne und vier Töchter. Caroline Bruch  erwarb bei Eiweiler von der Familie des Hüttenbesitzers Stumm ein Waldgelände, ließ es abholzen und roden und gründete darauf für ihre Söhne Hofgut und Brauerei Hof Grosswald. Immer wenn man eine Brauerei baut, ist das Wasser wichtig. Das ist heute noch genau so von Bedeutung wie es früher war. Deshalb waren die Wasserverhältnisse von ausschlaggebender Bedeutung, als Frau Bruch daran dachte, eine neue Brauerei zu bauen. Gute Wasserverhältnisse fand sie nun hier in einer Quelle, die in alten Zeiten Fronbrunnen genannt wurde. Es gab gutes, klares Wasser in Fülle, das auch für die Mälzerei benötigt wurde. Denn das Anwesen umfasste nicht nur den Bau der Brauerei, sondern auch einen dazugehörigen größeren landwirtschaftlichen Betrieb. Dieser lieferte den zweiten wichtigen Rohstoff für den Betrieb, die Braugerste. Bis 1900 gehörte zu der Brauerei auch eine Mälzerei in der die Gerste zu Malz verarbeitet wurde. Die Saarbrücker Brauerei wurde unter dem Namen Bruch von den Kindern aus erster Ehe weitergeführt. Beiden Brauereien entwickelten sich fortan aber unabhängig voneinander.

Das Bild zeigt die Brauerei um das Jahr 1900

Die Gründerin, Caroline Bruch blieb selbst in Saarbrücken wohnen. Bis 1876 wurde die Brauerei von einem Braumeister und der Hof von einem Verwalter bewirt-schaftet.. Die Gründerin ist 1891 in Saarbrücken gestorben.

Die Söhne verstarben aber bevor Hof und Brauerei fertig gebaut waren. Es wurde beschlossen, dass die Tochter, die zuerst heiratete, den Betrieb in Eiweiler erhalten sollte. Dies war die Tochter die ebenfalls Caroline hieß. Von ihrer Mutter wurde ihr 1876 der Besitz übertragen. Sie heiratete den Kaufmann Alexander Bauer, verstarb aber sehr früh, so dass nun ihr 7-jähriger Sohn Alexander Bauer mit seinem Vater als Vormund in die Erbfolge eintrat.  Das Unternehmen hieß aber noch bis 1936 Brauerei Wwe. Jakob Bruch.

In den ersten Jahren nach der Gründung betrug der Bierausstoß 4.000 bis 5.000 hl. Das fertig gebraute Bier wurde in großen Fuhrfässern in die Kellereianlagen gebracht, die heute zum Teil noch vorhanden sind und jetzt „unterirdischer Gang“ heißen. Die Bierkühlung wurde durch Natureis bewirkt, das man im Winter auf den Weihern brach und teilweise im Eishaus aufbewahrte, zum Teil aber auch gleich in die Kellereigebäude schaffte. Dort lag dann das Bier in Eis gepackt und lagerte bis zur Abfüllung. Bis um 1885 wurde nur obergäriges Bier gebraut, danach dann nur mehr untergäriges.

Die Wirte der Brauerei lagen weit verteilt in 26 Ortschaften der Kreise Saarbrücken, Saarlouis und Ottweiler. Zur Belieferung der Kunden standen auf Hof Grosswald 24 Pferde, denn es waren Tagestouren, die bewältigt werden mussten. Auch wurden die Pferde zum Teil in der Landwirtschaft eingesetzt. Das Personal wechselte ebenfalls zwischen Brauerei und Landwirtschaft je nachdem wo gerade Arbeit anfiel.

Bereits 1867 wurde eine erste kleine Dampfmaschine angeschafft als Antrieb zum hochpumpen des Brauwassers. Eine zweite Maschine war von 1884 bis 1948 im Einsatz. 1902 wurde auch das aufwendige Kühlen mit Natureis abgeschafft, da man eine Lokomobile mit einer Linde Kühlanlage für Kunsteis in Betrieb nahm, was eine große Erleichterung war. Im Jahr 1900 wurde die Mälzerei aufgegeben und das benötigte Malz wurde von einer Malzfabrik in Säcken bezogen.

Die Eiweiler Brauereipferde

Die Kunsteismaschine von Linde

Nachdem der Sohn Alexander Bauer seinen Militärdienst bei den Ulanen abgeleistet hatte besuchte er die Brauerschule in Worms und übernahm 1900 die Leitung der Brauerei. Im folgenden Ersten Weltkrieg wurden viele Arbeiter der Brauerei und des Hofgutes eingezogen. Der Betrieb der Brauerei musste unter schwierigen Verhältnissen aufrecht erhalten werden, oft nur mit zwei Pensionären und zwei Frauen. Die anschließenden Inflation war für das Unternehmen .auch eine schwierige Zeit. Allmählich nahm der Betrieb danach wieder einen Aufschwung. Die Technik entwickelte sich in diesen Jahren rasch weiter und so wurde schon 1925 der erste Lastwagen Marke Renault und ein Jahr später ein Personenwagen angeschafft. Die Erleichterungen, die der Lastwagen brachte waren erheblich. Jetzt wurden nur noch nahe gelegene Kunden mit den Pferden angefahren. Im Jahre 1930 vernichtet ein Feuer Teile des landwirtschaftlichen Betriebes.

Anfang der zwanziger Jahre wurde zusätzlich eine Brennerei gegründet. Auf Hof Grosswald wurde guter Roggen angebaut und man kam zu der Erkenntnis, dass es einträglich wäre, daraus Schnaps zu brennen. Und so entstand eine landwirt-schaftliche Abfindungsbrennerei. Es war eine offene Brennerei, das heißt der gewonnene Alkohol tropfte offen in die Gefäße. Die Brennerei wurde in dieser Form bis 1932 betrieben. Brauerei und Hofgut beschäftigten Ende der Zwanziger Jahre etwa 30 Personen. Die Arbeit auf dem Großwald war begehrt. Gab es doch täglich den beliebten Haustrunk frei für die Belegschaft. 1936 wurde von Wolf-Buckau aus Magdeburg eine Lokomobile beschafft die über Transmission weitere Maschinen der Grosswald Brauerei antrieb  und auch bis in die fünfziger Jahre den Strom für die Brauerei erzeugte.

Der erste Lastwagen der Brauerei

Am 22. September 1915 heiratete Alexander jun. Johanna Köhl aus Saarbrücken. Aus dieser Ehe ging eine Tochter, Johanna Bauer, die heutige Seniorchefin der Brauerei, hervor. Bereits 1935 verstarb Alexander Bauer jun. Seine Witwe führte in schwerer Kriegs- und Nachkriegszeit das Unternehmen weiter. Ab 1939 wurde der land-wirtschaftliche Teil nicht mehr selbst betrieben sondern verpachtet. Im Kriege und danach wurde aus Mangel an Rohstoffen das nicht so beliebte Dünn- oder Fliegerbier gebraut, welches einen geringeren Alkoholgehalt hatte.

Die Brauerei zu Beginn  der Fünfziger Jahre

Mit der Heirat der Tochter Johanna  Bauer 1949 mit dem Dipl. Kaufmann Helmut Kleber trat durch den Eintritt ihres Schwiegersohns in den Betrieb ein erheblicher Aufschwung ein. Er leitete die Modernisierung und Vergrößerung der Brauerei ein, die wegen des Krieges nicht ausgeführt werden konnte. 1956/57 wurde ein neues Sudhaus erbaut und 1960 ein neuer Flaschenkeller. Der Bierkonsum im Saarland stieg durch die florierende Montanindustrie stetig an. So belieferte man die Kaffee-küchen der Gruben Göttelborn, Franziska, Camphausen und Elm. Das war die Zeit der berühmten „Literbombe“, eine nur im Saarland im Umlauf befindlichen Flaschengröße mit einem Liter Bier als Inhalt.

1961 wurde neben dem Bier auch mit der Limonadenproduktion begonnen. Anfang 1960 wurde von bisher Holz- auf Aluminiumfässer beim Fassbier umgestellt. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Umstellung der Energieversorgung von Kohle auf Heizöl. 1966 verschwand der bisher übliche Bügelverschluss bei den Bierflaschen. Wurde bisher nur eine Sorte Bier gebraut, nämlich „Grosswald-Spezial“, so erweiterte man ab 1965 das Biersortiment um weitere Biersorten. 1976 wurde im landwirtschaftlichen Betrieb die Haltung von Großvieh aufgegeben und ein Teil der Gebäude für den Brauereibetrieb genutzt. 1982 erfolgte der Übergang von der offenen zur geschlossenen Gärung was zu erheblichen Energieeinsparungen führte. Im Jahr1983 erfolgte als weiterer wichtiger Schritt die Automatisierung des Brauereibetriebes. 1986 erhielt man schließlich die offizielle Anerkennung als Minerealquelle für die im Jahre  1970 erbohrte Alexanderquelle.        Das neue Sudhaus um 1970

Flaschenetikette und Bierdeckel der Brauerei im Laufe der Zeit


Ab 1993 übernahm Alexander Kleber, der einzige Nachkomme von Johanna und Helmut Kleber, die Führung des Betriebes. Dies fiel in die Zeit des großen Sterbens der einst 12 saarländischen Brauereien. In Eiweiler konzentrierte man sich deshalb auf Bierspezialitäten, mit denen man eine Anzahl Preise erringen konnte.

 

Heute umfasst das Programm der Biersorten:

Grosswald Export ab 1960 (Jahrhunderttrunk)
Grosswald Pilsener ab  1973
Grosswald Urweizen ab 1983
Grosswald Zwickel ab 1984
Hofgut Pils ab 1987
Grosswald Landbier ab 1989
Grosswald Urweizen dunkel ab 1993

Und im nichtalkoholischen Bereich ab 1978 die Sorten:

Köllertaler Sprudel
Köllertaler Gold
Köllertaler Silber
Köllertaler fit Orange
Köllertaler fit Zitrone
Köllertaler fit Grapefruit
Köllertaler Cola-Mix.

Bei 30 Mitarbeitern beträgt die jährliche Produktion an Getränken in der Eiweiler Brauerei circa 40.000 hl. Die Zukunft der Familienbrauerei scheint auch in sechster Generation gesichert.

Über die gelungene Jubiläumsfeier freuen sich von links Johanna Kleber geb. Bauer, Sohn Alexander Kleber und Dipl. Kfm. Helmut Kleber

Der heutige
Brauereibesitzer
Alexander Kleber
mit seiner Familie

 

Koordinaten: 49.3620717089519,6.935101600000053